Der Bollenhut gilt als das Symbol des Schwarzwalds schlechthin: ein weiß gestrichener Strohhut mit roten Wollkugeln, den man von Postkarten, Souvenirs und sogar vom Logo der Ferienregion kennt. Tatsächlich ist der Bollenhut aber die Tracht von nur drei Gemeinden im Kinzig- und Gutachtal. Dieser Beitrag erklärt seine Herkunft, die Bedeutung von Rot und Schwarz und sagt, wo Sie Bollenhüte sehen können.
Bollenhut: Herkunft und Heimat

Der Bollenhut gehört zur Tracht der evangelischen Frauen in Gutach, in Wolfach-Kirnbach und in Hornberg-Reichenbach – drei Orte im Kinzig- und Gutachtal. Gutach ist der größte dieser Orte und hat dem Hut den Namen gegeben. Der Hut stand nach einer Deutung für die evangelische Zugehörigkeit der Frauen im katholisch geprägten Kinzigtal.
Seine Wurzeln liegen im Strohflechten. Eine Anweisung der württembergischen Kanzlei von 1797 ordnete an, Strohhüte mit der „üblichen Dekoration von schwarzer und roter Farbe“ zu schmücken. Zunächst waren es aufgemalte schwarze und rote Kreise; später wurden daraus aufgenähte Wollrosetten, die im 19. Jahrhundert immer größer wurden.
Wie ein Bollenhut aussieht
Der Hut ist ein Strohhut, der mit weißem Gips versteift wird. Er trägt elf große Wollkugeln („Bollen“), die kreuzförmig angeordnet sind, und drei weitere, die nur schwach sichtbar am Rand sitzen – zusammen also 14 Bollen. Der Hut wiegt etwa 1,5 bis 2 Kilogramm.
Darunter trägt man eine schwarze Seidenhaube. Zur Tracht gehören außerdem ein schwarzer Wiefelrock, ein Samtmieder mit gestickten Blumen und eine weiße Bluse mit Puffärmeln. Die Männer tragen einen schwarzen, rot gefütterten Kittel.
Gefertigt wird der Hut von Hand. Wie der Schwarzwald Tourismus in einem Porträt einer Bollenhutmacherin aus Kirnbach berichtet, braucht sie für einen Hut rund eine Woche und etwa ein Kilogramm Wolle.
Rot oder schwarz: Was die Farben bedeuten
Unverheiratete Frauen tragen den roten Bollenhut, und zwar von der Konfirmation bis zur Hochzeit. Verheiratete Frauen tragen einen Hut mit schwarzen Bollen. Kleine Mädchen und ältere Frauen tragen nach Angaben von Wikipedia nur die schwarze Seidenhaube.
Was die Bollen selbst und ihre Zahl bedeuten, ist nicht überliefert. Die oft genannte Deutung mit den Vierzehn Nothelfern halten Fachleute für unwahrscheinlich: Die Hüte stammen aus evangelischen Gemeinden und sind erst seit dem späten 18. Jahrhundert belegt, also lange nach der Reformation.
Wie der Bollenhut zum Schwarzwald-Symbol wurde
- Künstlerkolonie: Nach dem Anschluss Gutachs an die Schwarzwaldbahn 1873 ließen sich dort Maler nieder, darunter Wilhelm Hasemann, Curt Liebich und Fritz Reiss (Gutacher Künstlerkolonie). Hasemanns Gemälde „Nach dem Kirchgang“ wurde um 1900 vielfach vervielfältigt.
- Fürstliche Förderung: Großherzogin Luise von Baden trug den Hut in den 1860er-Jahren; das machte ihn bekannter.
- Werbung und Film: Ab den 1920er-Jahren erscheint der Bollenhut in der Tourismuswerbung. Die Operette „Schwarzwaldmädel“ (1917) und ihre Verfilmung von 1950 machten ihn zum bleibenden Symbol.
- Marke: Seit 1993 ist der stilisierte Bollenhut über dem Schriftzug „Schwarzwald“ die offizielle Marke der Ferienregion.
- Souvenir: Eine Playmobil-Figur „Schwarzwald Marie“ mit rotem Bollenhut wurde nach Angaben des Evangelischen Pressedienstes (Juni 2026) mehr als 225.000-mal verkauft.
Ist der Bollenhut typisch für den ganzen Schwarzwald?
Nein – auch wenn er so wirkt. Der Bollenhut wird nur in einem kleinen Gebiet getragen. In anderen Teilen des Schwarzwalds gab es eigene Trachten. Zur Hotzenwälder Tracht im Südschwarzwald gehörte zum Beispiel der „Schühut“, ein Strohhut mit Kalkanstrich, den die Frauen bei der Feldarbeit trugen; unverheiratete Frauen trugen an Festtagen das „Schäppel“, einen kronenartigen Kopfschmuck. Die erste Erwähnung dieser Tracht stammt nach Wikipedia aus dem Jahr 1717. Mehr zur Region lesen Sie im Beitrag Hotzenwald: Ausflüge und Wanderungen.
Wann wird der Bollenhut heute getragen?
Getragen wird die Tracht nach Angaben des Schwarzwald Tourismus unter anderem am Ostersonntag im Gottesdienst, beim Erntedankfest am ersten Sonntag im Oktober und bei Gemeindefesten. Auch bei Tourismusveranstaltungen im ganzen Schwarzwald ist sie zu sehen. Die Tracht gilt als „schützenswertes Kulturgut“.
Wo man den Bollenhut sieht
- Schwarzwälder Freilichtmuseum Vogtsbauernhof, Gutach: rund 98 km vom Hotel, mit dem Auto etwa 100 Minuten. Die Saison 2026 läuft vom 22. März bis 1. November, täglich 9 bis 18 Uhr (letzter Einlass 17 Uhr). Die Zeiten für 2027 stehen auf der Museumsseite.
- Schwarzwälder Trachtenmuseum, Haslach im Kinzigtal: rund 101 km, etwa 105 Minuten. Das Museum befindet sich im ehemaligen Kapuzinerkloster am Rand der Altstadt. Der Schwarzwald Tourismus beschreibt es als kleines, aber schmuckes Museum; ein Besuch dauert etwa eine halbe Stunde. Öffnungszeiten finden Sie auf der Seite des Museums.
- Schwarzwaldmuseum, Triberg: rund 74 km, etwa 80 Minuten. Auch dieses Museum nennt der Schwarzwald Tourismus als Ort, an dem Sie den Bollenhut sehen können.
- Näher am Hotel: Das Heimatmuseum Resenhof in Innerlehen bei Bernau (rund 33 km, etwa 35 Minuten) bietet Führungen zur Schwarzwald-Tracht an.
Wer den Bollenhut an seinem Ursprungsort erleben möchte, plant am besten einen längeren Tag im Kinzigtal. Gutach liegt rund 98 km vom Hotel entfernt – Hin- und Rückfahrt dauern zusammen mehr als drei Stunden. Mit dem Besuch der Triberger Wasserfälle lässt sich der Ausflug verbinden.
Bollenhut und Südschwarzwald: unser Hotel als Ausgangspunkt

Das Wellnesshotel Sonnenhof & Sonnhalde liegt in Birkendorf im Südschwarzwald, auf 800 Metern über dem Meer. Der Bollenhut stammt nicht aus dem Südschwarzwald – dafür erleben Sie hier eine Region mit eigener Geschichte und eigenen Bräuchen. Fragen wie „Warum heißt der Schwarzwald eigentlich Schwarzwald?“ beantwortet der Beitrag Warum heißt der Schwarzwald Schwarzwald?. Weitere Anregungen finden Sie unter Ausflugsziele im Schwarzwald.
Nach einem Tag unterwegs ist unser Wellnessbereich täglich von 9 bis 20 Uhr geöffnet: mit Panoramasauna (12 bis 20 Uhr), Textil-Gartensauna (14 bis 20 Uhr), Bio-Dampfsauna (16 bis 20 Uhr) und einem Innenpool mit 84 m². Im Restaurant Sonnenhof kocht Küchenchef und Hotelier Uli Blatter kreativ-badisch mit regionalen Zutaten (Kulinarik im Schwarzwald). Das Arrangement Schwarzwaldgenuss enthält eine Brauereiführung in Rothaus. Zimmer und Arrangements buchen Sie direkt bei uns.
Häufige Fragen
Was bedeutet der Bollenhut?
Der rote Hut zeigt, dass die Trägerin unverheiratet ist; verheiratete Frauen tragen schwarze Bollen. Die Bedeutung der Bollen selbst ist nicht überliefert.
Warum hat der Bollenhut 14 Bollen?
Der Grund ist unbekannt. Sichtbar sind elf große Bollen, drei weitere sitzen schwach sichtbar am Rand.
Wie schwer ist ein Bollenhut?
Etwa 1,5 bis 2 Kilogramm.
Aus welchen Orten stammt der Bollenhut?
Aus Gutach, Wolfach-Kirnbach und Hornberg-Reichenbach im Kinzig- und Gutachtal.
Wer trägt einen roten, wer einen schwarzen Bollenhut?
Rot tragen unverheiratete Frauen von der Konfirmation bis zur Hochzeit, Schwarz verheiratete Frauen.
Wo kann ich einen Bollenhut sehen?
Zum Beispiel im Freilichtmuseum Vogtsbauernhof in Gutach, im Schwarzwälder Trachtenmuseum in Haslach und im Schwarzwaldmuseum in Triberg.
Quellen
- Schwarzwald Tourismus: Die Geschichte des Bollenhutes
- Schwarzwald Tourismus: Kinzigtal (Bollenhut, Marke seit 1993)
- Schwarzwald Tourismus: Die Bollenhutmacherin
- Schwarzwald Tourismus: Haslach im Kinzigtal (Trachtenmuseum)
- Wikipedia: Bollenhut (ergänzend)
- Wikipedia: Hotzenwälder Tracht (ergänzend)
- evangelisch.de (epd): Playmobil-Figur „Schwarzwald Marie“ wird neu aufgelegt (4.6.2026)
- Schwarzwälder Freilichtmuseum Vogtsbauernhof Gutach



