Die Schwarzwälder Kirschtorte gilt als eine der bekanntesten Torten Deutschlands: dunkle Schokoladenböden, Sahne, Kirschen, Kirschwasser und Schokoladenspäne. Doch wer sie erfunden hat, ist bis heute umstritten. In diesem Beitrag erzählen wir, was sich belegen lässt und was nicht, erklären, was in eine Schwarzwälder Kirschtorte gehört, und geben ein klassisches Grundrezept für zu Hause.

Schwarzwälder Kirschtorte: was gehört hinein?
Was Verbraucher von einer Schwarzwälder Kirschtorte erwarten dürfen, beschreiben die Leitsätze für Feine Backwaren der Deutschen Lebensmittelbuch-Kommission (Neufassung vom 9. Januar 2025). Danach sind Schwarzwälder Kirschtorten Kirschwasser-Sahnetorten oder Kirschwasser-Buttercremetorten, auch in Kombination. Als Füllung dienen Buttercreme und/oder Sahne, teilweise Ganache sowie Kirschen. Der Kirschwasseranteil muss geschmacklich deutlich wahrnehmbar sein.
Für die Böden werden dunkle und/oder helle Wiener oder Biskuitböden verwendet; die Masse der dunklen Böden enthält mindestens 3 Prozent Kakaopulver oder stark entölten Kakao. Für den Unterboden darf auch Mürbeteig dienen. Die Torte wird mit Buttercreme oder Sahne eingestrichen und mit Schokoladenspänen garniert.
Interessant ist ein weiterer Punkt: Die Leitsätze nennen die Schwarzwälder Kirschtorte als Beispiel für eine geografische Angabe, die nur ein Hinweis auf eine bestimmte Zusammensetzung und Herstellungsweise ist, nicht eine echte Herkunftsangabe. Dass die Torte im Schwarzwald hergestellt sein muss, steht dort nicht.
Geschichte: wer hat die Schwarzwälder Kirschtorte erfunden?
Die ehrliche Antwort lautet: Man weiß es nicht sicher. Es gibt mehrere Erzählungen, und die Quellen beurteilen sie unterschiedlich.
Die Geschichte aus Bad Godesberg
Lange galt als gesichert, dass der Konditor Josef Keller (1887–1981) die Torte 1915 in Bad Godesberg erfunden hat. Er soll sie später in sein Café in Radolfzell am Bodensee mitgenommen haben. Planet Wissen schildert diese Version, weist aber darauf hin, dass der Schwarzwald vermutlich nicht der Entstehungsort war.
Die Wikipedia dagegen bezweifelt diese Darstellung: Keller habe erst 1975 behauptet, die Torte im Café Agner in Bad Godesberg hergestellt zu haben, und könne frühestens nach April 1915 dorthin gekommen sein. Der Name sei zu dieser Zeit schon schriftlich belegt gewesen, nämlich in einer Bekanntmachung aus Brandenburg an der Havel vom 17. Februar 1915.
Die Geschichte aus Tübingen
Der Tübinger Stadtarchivar Udo Rauch nennt den Konditormeister Erwin Hildenbrand vom Café Walz in Tübingen als Erfinder und datiert die erste Torte auf das Frühjahr 1930. Belegt ist das nach Planet Wissen vor allem durch mündliche Erinnerungen Dritter. Das Stadtmuseum Radolfzell hält die Tübinger Version dagegen für eine Legende.
Was sich belegen lässt
- Der Name taucht laut Wikipedia bereits im Februar 1915 schriftlich auf.
- Das früheste veröffentlichte Rezept stammt nach der Wikipedia aus dem Jahr 1934 (Johannes Martin Erich Weber, „250 Konditorei-Spezialitäten“). Es sah noch einen Mürbeteigboden, Nussmassen und eine Kirschcreme vor, unterscheidet sich also deutlich von der heutigen Torte.
- Verbreitet hat sich die Torte laut Planet Wissen seit den 1930er-Jahren in ganz Deutschland.
Woher stammt der Name?
Auch hier gibt es nur Vermutungen, die die Wikipedia ausdrücklich als unbestätigt bezeichnet: Die dunklen Schokoladenspäne könnten an den Schwarzwald erinnern, das Kirschwasser gilt als typisch für die Region, und die Farben der Frauentracht mit dem Bollenhut wurden ebenfalls als Namensgeber genannt. Mehr zum Kirschbrand lesen Sie in unserem Beitrag zum Schwarzwälder Kirschwasser.
Klassisches Rezept für eine Schwarzwälder Kirschtorte
Das folgende Rezept ist ein klassisches Grundrezept mit üblichen Mengen für eine Springform von 26 Zentimetern Durchmesser (etwa 12 bis 14 Stücke). Es orientiert sich an gängigen Rezepten aus Zeitschriften und Rezeptportalen (siehe Quellen) und ist kein Rezept aus unserer Hotelküche. Rechnen Sie mit etwa 60 bis 90 Minuten Arbeitszeit sowie mindestens zwei Stunden Kühlzeit.
Zutaten
Schokoladenbiskuit
- 6 Eier
- 200 g Zucker
- 120 g Mehl
- 100 g Speisestärke
- 30 g Kakaopulver
- 1 Prise Salz
Füllung und Dekoration
- 500 g Sauerkirschen (aus dem Glas oder frisch, abgetropft; den Saft auffangen)
- 1 EL Speisestärke
- 1 Zimtstange
- 50 g Zucker (für Kirschen und Sahne zusammen)
- 800 g Schlagsahne, dazu nach Packungsangabe Sahnesteif
- 8 EL Kirschwasser
- 50 g Zartbitterschokolade zum Raspeln
Zubereitung
- Den Ofen auf 180 Grad Ober- und Unterhitze vorheizen. Den Boden einer 26-cm-Springform mit Backpapier auslegen.
- Die Eier trennen. Das Eiweiß mit dem Salz steif schlagen und den Zucker nach und nach einrieseln lassen, bis er sich gelöst hat. Die Eigelbe vorsichtig unterheben. Mehl, Speisestärke und Kakao darübersieben und behutsam unterheben.
- Den Teig in die Form geben und etwa 30 Minuten backen; nach 20 Minuten mit der Garprobe beginnen. Den Biskuit auskühlen lassen.
- Etwa 12 schöne Kirschen für die Dekoration beiseitelegen, die übrigen gegebenenfalls halbieren. Den aufgefangenen Saft auf 150 Milliliter auffüllen, mit der Speisestärke verrühren und mit der Zimtstange aufkochen. Die Kirschen zugeben, nochmals aufkochen, die Zimtstange entfernen und die Füllung vollständig abkühlen lassen.
- Den ausgekühlten Biskuit waagerecht in drei Böden schneiden. Den untersten Boden in einen Tortenring legen und mit etwa 3 EL Kirschwasser beträufeln.
- Die Sahne mit dem restlichen Zucker und dem Sahnesteif steif schlagen. Etwas Sahne dünn auf den Boden streichen, einen Teil der Sahne in einen Spritzbeutel füllen, Ringe aufspritzen und die Zwischenräume mit der Hälfte der Kirschfüllung füllen.
- Den zweiten Boden auflegen, leicht andrücken, mit Kirschwasser beträufeln und ebenso mit Sahne und der restlichen Kirschfüllung belegen. Den dritten Boden auflegen und mit dem übrigen Kirschwasser tränken.
- Den Tortenring lösen. Die Torte rundum mit Sahne einstreichen, mit Sahnetupfen, den beiseitegelegten Kirschen und geraspelter Schokolade garnieren.
- Die Torte mindestens zwei Stunden kühlen und erst dann anschneiden.
Hinweis: Das Kirschwasser wird nicht mitgebacken, der Alkohol bleibt also in der Torte. Die Torte ist deshalb nichts für Kinder, Schwangere und alle, die auf Alkohol verzichten möchten; stattdessen können Sie die Böden mit dem Kirschsaft beträufeln. Eine solche Torte entspricht dann allerdings nicht der Beschreibung der Leitsätze.
Tipps für das Gelingen
- Die Kirschfüllung muss gut abgekühlt sein, bevor sie auf die Sahne kommt, sonst wird die Sahne weich.
- Den Biskuit vollständig auskühlen lassen, ehe Sie ihn teilen.
- Kirschwasser sparsam dosieren, aber so, dass es im Geschmack wahrnehmbar bleibt, wie es auch die Leitsätze für die gewerbliche Torte verlangen.
- Eine fertig dekorierte Torte vor dem Servieren kühl stellen, damit die Schichten fest werden.
Schwarzwälder Kirschtorte und Genuss im Südschwarzwald
Wer die Torte lieber genießt als backt, kann sich im Südschwarzwald auf die Suche nach regionalen Spezialitäten machen. In unserem Wellnesshotel Sonnenhof & Sonnhalde in Ühlingen-Birkendorf pflegt das Restaurant Sonnenhof eine kreativ-badische Küche mit regionalen Zutaten; die Karte wechselt je nach Saison. Mehr dazu lesen Sie auf unserer Seite Kulinarik im Schwarzwald.
In unseren Arrangements sind das tägliche Verwöhnmenü, das Mittagssnackbuffet „süß & salzig“ und das Frühstücksbuffet enthalten; die Übersicht finden Sie unter Angebote. Direkt buchen können Sie auf unserer Buchungsseite.

Häufige Fragen
Wer hat die Schwarzwälder Kirschtorte erfunden?
Das ist umstritten. Genannt werden der Konditor Josef Keller (Bad Godesberg, 1915) und der Konditormeister Erwin Hildenbrand (Tübingen, 1930). Die Wikipedia bezweifelt die Keller-Version, das Stadtmuseum Radolfzell die Tübinger für eine Legende.
Muss eine Schwarzwälder Kirschtorte aus dem Schwarzwald stammen?
Die Leitsätze für Feine Backwaren führen den Namen als Beispiel für einen Hinweis auf Zusammensetzung und Herstellungsweise an, nicht als echte Herkunftsangabe. Eine Herstellung im Schwarzwald verlangen sie nicht.
Muss in der Torte Kirschwasser sein?
Nach den Leitsätzen ja: Der Kirschwasseranteil muss geschmacklich deutlich wahrnehmbar sein. Eine bestimmte Herkunft des Kirschwassers nennen die Leitsätze nicht.
Welche Kirschen nimmt man?
Die von uns herangezogenen Rezepte verwenden Sauerkirschen, aus dem Glas oder frisch. Sie sollten gut abgetropft sein; der aufgefangene Saft wird für die Füllung gebraucht.
Wie lange muss die Torte kühl stehen?
Die von uns herangezogenen Rezepte nennen mindestens zwei Stunden im Kühlschrank, bevor die Torte angeschnitten wird.
Woher kommt der Name?
Das ist nicht geklärt. Als mögliche Namensgeber werden die dunklen Schokoladenspäne, das Kirschwasser und die Farben der Tracht mit dem Bollenhut genannt; alle drei Erklärungen gelten als unbestätigt.
Quellen
- Deutsche Lebensmittelbuch-Kommission: Leitsätze für Feine Backwaren, Neufassung vom 9. Januar 2025 (Abschnitt 2.2.7.4 Schwarzwälder Kirschtorte)
- Wikipedia: Schwarzwälder Kirschtorte (Geschichte, Namensherkunft, Erstveröffentlichung)
- Planet Wissen: Schwarzwälder Kirschtorte (Keller-Version, Tübinger Version, Verbreitung)
- Lecker: Kirsch-Sahnetorte Schwarzwälder Art (Rezeptvergleich)
- Für Sie: Schwarzwälder Kirschtorte (Rezeptvergleich)
- Küchengötter: Schwarzwälder Kirschtorte (Rezeptvergleich)



